Claudio Weckherlin

Tattoos – Moderne Tradition

Fachbereich:
Content Creation & Marketing
Semester (Modul):
1. Modul

Tinte unter der Haut – eine Körperkunst, Ausdrucksweise, oder einfach nur als modisches Accessoire.

In diesem Bericht geht es um den handwerklichen Prozess einer Tätowierung, die Entwicklung der gesellschaftlichen Akzeptanz von Tattoos und um den Einfluss der Digitalisierung auf die Szene.

Eine unbequeme Liege... ...begleitet von Schmerzen, surrenden Kolbenmaschinen und lauter Musik. Die Atmosphäre ist einzigartig. Einige lieben sie, die anderen möchten möglichst schnell wieder raus. Jede:r Fünfte hat dies schon einmal erlebt - so viele besitzen nämlich eine Tätowierung in der Schweiz.

Die Geschichte dieser traditionellen Kunstform ist so alt wie die Menschheit selbst. Sowohl die Motive als auch Technik und Bedeutung haben sich dabei stets gewandelt. Wie hat sich die Digitalisierung auf die Szene ausgewirkt? Welchen Einfluss haben soziale Medien wie Instagram und Co. auf die Künstler:innen und Kund:innen? Wie steht es mit der Akzeptanz von Tattoos in der Gesellschaft?

Stencil – so nennt man die Vorlage, welche verwendet wird, um beim Tätowieren präzise den zuvor gezeichneten Linien folgen zu können. Sie wird mittels geeigneter Stencil-Flüssigkeit auf die gereinigte Haut aufgetragen.

Zwischen Tradition und Moderne

Tattoo-Stile sind so unterschiedlich wie nie. Von modernisiertem American Traditional, wie auf dem obigen Bild zu erkennen, über Micro Realism bis hin zu Ignorant Tattoos, welche von den russischen Gefangenen-Tattoos inspiriert sind. Social Media hat die Tattooszene nachhaltig verändert. Tätowierer:innen können eine grössere Reichweite erreichen um ihre Kunst zu präsentieren und neue, internationale Kundschaft zu gewinnen. Für Kund:innen ist es einfacher denn je, den passenden Stil zu finden und sich tätowieren zu lassen.

Auf der anderen Seite berichten Tätowierer:innen, welche bereits in den Zeiten vor Instagram tätowierten, dass sich der Fokus in der Szene verändert habe. Wenn früher noch das Erlebnis, der Reiz und der Mensch im Vordergrund stand, ginge es heutzutage oftmals nur um das Dekorieren des Körpers – als Modeaccessoire.

Sind Tattoos also durch die Digitalisierung oberflächlich geworden? Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Ulrike Landfester sieht das anders. Sie empfindet Tattoos in Zeiten der Digitalisierung und der damit verbundenen Dematerialisierung, als tiefgründiger Akt von Selbstausdruck und Selbstreflexion. Tattoos haben einen materiellen Wert, welcher durch Social Media und unserer digitalen Präsenz im Allgemeinen, komplett verloren geht. Tattoos sieht sie als die direkteste Kunstform mit einer unmittelbaren Konsequenz.

Während dem Tätowieren – dringen die Nadeln bis zu 3’000-mal pro Minute in die Dermis, unserer zweiten Hautschicht, ein. Die Frequenz – wie schnell sich die Nadel also auf und ab bewegt, wird dabei je nach Nadeltyp und Grösse des Motivs gewählt. Auf dem Bild handelt es sich um eine Spulenmaschine (coil machine). Die traditionelle Form unter den elektrisierten Tätowiermaschinen.

Shader – so werden Nadeln bezeichnet, welche für Schattierungen gebraucht werden. Sie bestehen aus mehreren Nadel-Reihen und existieren in unterschiedlichen Anordnungen. Diese Parameter beeinflussen die Grösse der abgedeckten Fläche sowie den Farbfluss und das Aussehen der Schattierung.

Die Haut – schwillt während dem Tätowieren an. Das aufgestaute Blut erschwert, dass die Tinte fest unter die Haut befördert werden kann. Flüssigkeiten wie Green Soap reinigen und kühlen die Haut während des gesamten Tätowierungs-Prozesses, um das Bearbeiten der Haut einfacher zu gestalten.

Instagram als wichtigster Kanal

Kaum ist der letzte Tropfen Tinte unter der Haut, das Tattoo eingepackt und die Haut ein wenig beruhigt, geht es ab unter die Linse. Social Media ist für Tätowierer:innen viel mehr als nur ein Portfolio. Instagram hat für viele Menschen die Welt der Tattoos zugänglicher gemacht. Dies liegt unter anderem daran, dass das Auftreten einiger Studios gegen aussen, welches früher für einige Leute abschreckend war, durch den Onlineauftritt auf den Social-Media-Kanälen verloren gegangen ist. Tattoo Künstler:innen berichten, dass mehr als 70% ihres Klientels über die sozialen Medien auf sie aufmerksam geworden sind. Neben dem Tätowieren gehören also auch Social Media Kenntnisse auf die Liste der notwendigen Skills für Tätowierer:innen.

Auf der Schattenseite dieser Entwicklung steht, wie auch bei vielen anderen Kunstformen im digitalen Raum, das Problem mit dem Urheberrecht: Tattoo-Designs werden oftmals kopiert, als das Eigene veröffentlicht und weiterverbreitet.

Fazit

Das Tätowieren begleitet die Menschheit schon seit jeher und wird dies vermutlich auch in Zukunft tun. Trends sind aber auch bei dieser traditionellen Körperkunst klar zu erkennen. So sieht man heutzutage kaum mehr asiatische Zeichen, welche anfangs der 2000er beliebt waren und die «Tramp Stamps» der 90er sehen öfters das Licht des Lasers als das der Sonne. Ob Tätowieren also als Hype bezeichnet werden kann, liegt im Auge des Betrachters.

Klar ist hingegen, dass die Digitalisierung in der Kunst, und somit auch beim Stechen von Tattoos, angekommen und bereits kaum mehr wegzudenken ist. Dies erm glicht zwar einen grösseren Austausch und eine vielfältigere Inspiration unter den Künstler:innen, jedoch geht auf der anderen Seite aber auch ein Stück Tattookultur verloren. Oder sie entwickelt sich einfach weiter. Denn viele Studios legen grossen Wert darauf, diese Kultur und die damit verbundene Atmosphäre aufrecht zu erhalten.

Eine moderne Tradition also.

Absolventin / Absolvent

Claudio Weckherlin

Hat im September 2021 mit dem Studiengang Content Creation an der SAE in Zürich begonnen um sich kreativ weiterzuentwickeln.
Nebst Illustration, Grafik-Design und Fotografie mag er auch gerne Kaffee und Tattoos.