SAE Redaktion

Ein Roboter, der das Filmen lernte

Headerbild des Beitrags: Kamera optisch aus Obst nachgebaut
Fachbereich:
Content Creation & Marketing
Semester (Modul):
Alumni Association
Team:
Karim Fawaz
Saro Tschan

WeFrame ist das Filmproduktionsstudio der SAE Absolventen Karim Fawaz und Saro Tschan.

Sie freunden sich im Studium an und programmieren einen Motion Control Roboter, mit dem sie spektakuläre und einzigartig präzise Kamerafahrten anbieten, die auf den Millimeter genau passen. Spezialisiert auf den Food Bereich, liefern sie bildgewaltige Aufnahmen in Super-Slow-Motion und transportieren die emotionale Wucht vom Teller auf den Bildschirm.

Karim und Saro lernen sich während ihres Diplomas am SAE Institute Zürich kennen. Sie interessieren sich beide für Filme und wie diese entstehen. Um sich ihren Traum vom Filmemachen zu erfüllen, entschliessen sie sich dazu, Digital Film Production zu studieren. Während Karim direkt von der Schule kommt, hat Saro bereits als Koch gearbeitet. Gleichzeitig zu ihrem Studium sammeln sie erste Erfahrungen mit 3D-Druckern und entwickeln dadurch eine Faszination fürs Tüfteln. Aus den geteilten Interessen entstehen erste gemeinschaftliche Projekte und ihre Freundschaft vertieft sich. Das gemeinsame Bachelorprojekt macht schliesslich aus den beiden befreundeten Studenten Geschäftspartner.

Denn mit fortlaufendem Studium entdecken sie nicht nur Programming und Robotics für sich, sondern auch, dass sie als Team gut funktionieren. Als ein Team, welches sich der Herausforderung Bachelorprojekt gemeinsam annimmt. „Es war eine Herausforderung, weil wir eigentlich etwas von unserem Studiengang abgewichen sind – letzten Endes mussten wir uns zusätzlich noch die Hilfe von anderen Experten einholen“ sagt Karim dazu. Ihre Faszination fürs Filmen ist geblieben. Bis zu ihrem Bachelor ist aber eine Bandbreite verschiedener Interessen dazugekommen, die sie in ihrem Abschlussprojekt erfolgreich verbinden: sie programmieren einen eigenen Motion Control Roboter.

Dass ein solcher Motion Control Roboter von diesem Ausmass und mit diesen Fähigkeiten zwischen 600.000 und 800.000 CHF kostet, ist ihnen da schon bewusst und trägt mit Sicherheit zur Themenfindung des Projekts bei. Dass sie sich damit aber auch ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Schweizer Markt für Videoproduktionen schaffen, wissen sie zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch nicht. Und so kaufen sie sich einen Industrieroboter, an dem sie tüfteln und programmieren, bis er schliesslich das Filmen lernt – und das mit einer Perfektion, die landesweit ihres Gleichen sucht.

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AVA Junior MOCO

Ihren umgebauten Roboter taufen sie auf den Namen AVA Junior MOCO. Und AVA eignet sich insbesondere für detaillierte High-Speed Filmaufnahmen, wie sie nicht nur in Spielfilmen, sondern auch in der Werbebranche verwendet werden. Auf eine Reichweite von 2,2 Metern, einer Höhe von bis zu 1,97 Meter und mit einer Geschwindigkeit von bis zu 3 Metern pro Sekunde können Karim und Saro ihre Kamerafahrten auf 0,03 mm genau programmieren.

EXKURS: MOCO

MOCO ist die Abkürzung für Motion-Control, eine Spezialeffekt-Technik, die es ermöglicht eine Kamerabewegung mehrmals exakt zu wiederholen. Die verschiedenen Aufnahmen können dann später im Compositing zusammengefügt werden. Auf diese Weise werden beispielsweise Stop-Motion-Filme realisiert oder eine Person kann mehrfach in einem Bild auftreten und das, obwohl eine dynamische Kamera verwendet wird. Da die automatisierte Bewegung der Kamera einen grossen Anteil daran hat, ist die Programmierung ein elementarer Bestandteil der Motion-Control.

Motion-Control

WeFrame

Sich selbstständig zu machen, sei vor ihrem Studium nie so richtig der Plan gewesen. Am SAE Institute Zürich haben sie aber nicht nur selbst das Filmen gelernt – sie haben auch gelernt, einem Roboter das Filmen beizubringen. Und das so gut, dass sie damit ihre eigene Produktionsfirma gründen konnten. Also machen sich Saro, Karim und AVA Junior in ihrem Studio in Thun (Bern) selbstständig und bieten unter dem Namen WeFrame Visual Engineering an. Der andauernde Drang nach technischem Fortschritt und Weiterentwicklung, gepaart mit der Freude am Filmen, motiviert sie. Was sie einnehmen, reinvestieren sie gleich wieder in die Firma. Es ist also wenig verwunderlich, dass sie nur wenig später LIAM Senior MOCO entwickeln, AVAs grossen Bruder und ihren zweiten Motion-Control-Roboter. Dabei ist LIAM nicht nur grösser als AVA, sondern kann sich darüber hinaus schneller bewegen und schwereres Equipment tragen.

Showreel von WeFrame

Für das Filmen und die Programmierung sind sie beide zuständig. Karim konzentriert sich dazu noch auf die Entwicklung, Saro auf den Set-Bau, die Kulisse und die Produkte, die gefilmt werden sollen – insbesondere, wenn es sich dabei um Essen handelt. Dann kommt seine ganze Erfahrung als Koch zur Geltung. So schaffen sie es als Team, Lebensmittel gekonnt in Szene zu setzen und die Emotionen, die mit ihnen verbunden werden, zu transportieren und Lust auf mehr zu wecken.

„Die grösste Schwierigkeit ist, alles zeitlich und räumlich perfekt aufeinander abzustimmen“ sagen die beiden. Aber gerade das macht ihnen auch Spass. In den High-Speed Aufnahmen sitzt jeder Tropfen. Das muss aber auch so sein, denn was in Bruchteilen einer Sekunde passiert und gefilmt wird, läuft später in Grossaufnahme und Super-Slow-Motion über den Bildschirm. Wenn dann etwas nicht dort sitzt, wo es soll oder sich nicht synchron zur Kamera bewegt, fällt das auf.

Ein Blick in die Zukunft

Stand heute ist WeFrame hauptsächlich Dienstleister für andere Filmproduktionen, welche nicht über das nötige Motion-Control-System oder das Know-how darüber verfügen. An diese Produktionen vermieten die beiden dann entweder ihre Ausrüstung oder führen die Aufnahmen in deren Auftrag durch. In Zukunft möchten sie vermehrt eigene Produktionen anbieten, die sie komplett inhouse produzieren. Vom Kick-off Meeting, über das Skript und Storyboard, den Dreh und bis zum letzten Feinschliff wollen Karim und Saro dann insbesondere mit kleineren Kunden arbeiten, mit denen sie dann aber auch den gesamten Prozess durchlaufen können. Denn schliesslich haben sie all das in ihrem Digital Film Production Studium auch gelernt.

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Absolventin / Absolvent

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