Mara Kurz

Der Weg zur Selbst­ständigkeit

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Fachbereich:
Content Creation & Marketing
Semester (Modul):
1. Modul
Team:
Mara Kurz

In die kreative Welt der Medienbranche einzutauchen und sich dort selbstständig zu machen, ist für viele ein grosser Traum. Doch der Einstieg bringt oftmals Herausforderungen mit sich. Ist es dennoch machbar?

Epu Shaha, die Gründerin und Geschäftsführerin von Epu Design, hat es geschafft und sie findet: «Ja, mit genügend Ehrgeiz ist es machbar».

28’645 Menschen arbeiten zurzeit in der Schweizer Medienbranche. Eine beachtliche Anzahl in einer immer grösser werdenden Welt der Medien. Und es werden noch einige dazu kommen. So ist es auch der Wunsch vieler Studenten und Studentinnen, im breit gefächerten Gebiet der Medien Fuss zu fassen. Der Einstieg in die Selbstständigkeit bringt oftmals Herausforderungen mit sich. Ist es noch möglich zwischen dem grossen Angebot und der Konkurrenz in die Medienbranche einzutauchen? Epu Shaha, die Gründerin und Geschäftsführerin von Epu Design, findet: «Ja, mit genügend Ehrgeiz ist es machbar. Auch wenn das bedeutet, vieles im Privatleben zurückzustellen».

Epu Design

Im Januar 2020 wagte die junge Thunerin den Schritt zur Selbstständigkeit. Als sie Epu Design GmbH im Handelsregister eintragen liess, war Epu Shaha erst 22 Jahre alt und durfte sich schon als ihre eigene Chefin betiteln. Was als Idee im Kinderzimmer begann, wurde zur eigenen Firma und später auch zum eigenen Büro in Thun.

Aufnahme aus der Vogelperspektive - beim Zeichnen
Umgebung am Tisch zum Zeichnen
Epu Shaha beim Illustrieren
Nahaufnahme Epu Shaha beim Illustrieren
Epu Shaha im kreativen Prozess

Das Zeichnen war schon im Kindesalter eine grosse Leidenschaft von Epu Shaha. Heute zeichnet sie mit Tablet und professionellem Material in ihrem Büro in Thun.

Als gelernte Polygrafin begann Epu Shaha vor allem im Bereich Grafik und Illustration Aufträge anzunehmen. Schnell machte sie sich unter anderem in der Gastroszene im Berner Oberland, wo sie aufgewachsen ist, einen Namen. Einer ihrer ersten Kunden war eine neu eröffnete Bar, welche sich neben der Grafik, auch Hilfe bei Social Media und dem Webauftritt wünschte. So konnte Epu Shaha ihre erste Website für einen Kunden erstellen und begann zwangsläufig, um genügend Füllmaterial für Website und Social Media zu bekommen, eigene Fotoshootings dafür durchzuführen. Eine volle Rundumbetreuung entstand.

Alles wird grösser

Diese Bereiche nahm Epu Shaha fortan in ihr Angebot auf und dies wirkte sich positiv auf ihre Agentur aus. Immer mehr Aufträge landeten im Posteingang und sie konnte ihre ersten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen anstellen. Mit dem Einzug ins eigene Büro in Thun und dem Zusammenschluss mit der Filmagentur LS behind the camera GmbH kam zu guter Letzt auch noch der Bereich der Videoproduktion dazu. Die Agentur deckt heute mit ihren vier Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie der Partneragentur verschiedenste Bereiche der Designbranche ab. Dazu gehören unter anderem Grafik, Illustration, Fotografie, Videoproduktion, Webdesign, Social Media und Text.

Epu Shaha widmet sich gerne selbst allen verschiedenen Aufträgen. Sie schätzt es auch, ihren Horizont ständig zu erweitern und in andere Bereiche der Werbebranche einzutauchen und mitzuarbeiten. Ihre Leidenschaft bleibt jedoch bei ihrer beruflichen Herkunft. So findet die 24-Jährige an der Illustration am meisten Gefallen. Einer ihrer bisher grössten Aufträge ist die jährliche Illustrierung der Werbedaten vom «Bergkönig», ein Vintage Velo Festival in Gstaad.

Illustration für Werbemittel eines Events
Epu Shaha arbeitet zum jetzigen Zeitpunkt an der Grafik für das «Bergkönig» Festival im nächsten Jahr. Unter anderem illustriert sie das Plakat digital.

Der Reiz des Ungewissen

Vor der Gründung arbeitete Epu Shaha als Junior Art Director in einer Agentur in Zürich. Nebenberuflich führte sie jedoch auch immer wieder private Aufträge aus. Nach einem Jahr im Agenturleben war ein normales Arbeitspensum mit Job und privaten Aufträgen schon längst überschritten. Eine Entscheidung musste her. Die meisten Menschen würden es wohl als verrückt bezeichnen, einen sicheren Job in einer renommierten Agentur aufzugeben. Doch Epu Shaha reizte das Ungewisse und sie entschied sich für das Erlebnis der Selbstständigkeit, mit dem sie ihre privaten Aufträge weiter ausbauen konnte.

«Der Zeitpunkt war einfach perfekt. Als junge, kreative und ambitionierte Persönlichkeit hatte ich keine Verpflichtungen und konnte mich auf das finanzielle Risiko einlassen.»

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Oder andersrum: Wer wagt, gewinnt? In diesem Fall trifft Letzteres zu. «Der Zeitpunkt war einfach perfekt. Als junge, kreative und ambitionierte Persönlichkeit hatte ich keine Verpflichtungen und konnte mich auf das finanzielle Risiko einlassen», begründet sie ihren Entscheid. So wagte Epu Shaha während der wirtschaftlich kritischen Lage aufgrund Covid-19 trotzdem den Schritt in die Selbstständigkeit.

Der Start der Epu Design GmbH klingt fast wie im Bilderbuch: Job kündigen und Aufträge annehmen, so schnell hat man eine eigene Firma. Nun ja, das stimmt schon, doch der Start in die Selbstständigkeit brachte auch einige Heraus-forderungen mit sich. Zu Beginn musste sich die Gründerin mit etlichen Dokumenten und Beratungen zur Firmengründung beschäftigen. Talent und ein gutes Fachwissen braucht man, um eine Firma zu vergrössern, um sie zu gründen, müssen jedoch noch viele rechtliche Aspekte berücksichtigt werden.

Fotoshooting aus Sicht des Objekts
Nahaufnahme Kamera
Epu Shaha bei einem Fotoshooting

Epu Shaha ist eine Kämpfernatur. Egal, ob beim Illustrieren oder wie hier bei einem Fotoshooting, sie ist immer mit Herzblut dabei.

«Wir lieben, was wir tun und möchten dies auch unseren Kunden vermitteln.»

Als sie dann endlich die Dokumente und Verträge bereit hatte, musste sich Epu Shaha erstmals unter Beweis stellen. Da sie als Einzelperson startete, gehörte eine Siebentagewoche und lange Nachtschichten zum Alltag. Sie musste hart und vor allem viel arbeiten, um ihren Einmannbetrieb zu dem zu bringen, was er heute ist. Trotzdem bereut sie ihre Wahl der Selbstständigkeit bisher nicht. «Wir lieben, was wir tun und möchten dies auch unseren Kunden vermitteln», heisst es auf ihrer Website (Epu Design, 2021).

Die Kunst, Vorzüge schätzen zu wissen

Genau diejenigen Aufträge anzunehmen, welche sie am meisten interessiert, und so einen möglichst abwechslungsreichen Arbeitsalltag gestalten zu können, schätzt sie bis heute sehr. Zusätzlich gehört durch das vielfältige Angebot von Epu Design Abwechslung zum Tagesgeschäft. Der Arbeitsplatz von Epu Shaha ist wunderschön eingerichtet, trotzdem kommt sie zwischen Fotoshootings und Videodrehs sowie Kundenterminen nicht allzu oft dazu, an ihrem Arbeitsplatz im Büro zu arbeiten.


Zudem ist einer der grössten Vorteile der Selbstständigkeit: die Flexibilität. Neben flexiblen Arbeitszeiten wie auch Arbeitstagen macht die junge Unternehmerin auch öfters Arbeitsferien, in denen sie in Co-Working Spaces oder Cafés im Ausland arbeitet. Vieles an ihrer Arbeit lässt sich mit dem richtigen Equipment und einer guten Internetverbindung von überall auf der Welt erledigen. So konnte die 24-Jährige auch einige Kunden im Ausland für sich gewinnen.

Epu Shah an ihrem Arbeitsplatz
Wenn sie nicht im Ausland ist, arbeitet Epu Shaha am liebsten an ihrem Arbeitsplatz im Büro in Thun, wo sie ihre fertigen Arbeiten an der Wand ausgestellt hat.

Zukunftsvisionen oder Laissez-faire?

Ihr Arbeitsalltag hat sich um einiges verändert, seit sie sich selbstständig gemacht hat. Und Epu Shaha möchte noch mehr Veränderung. In nächster Zeit möchte sie zwar so weiterarbeiten und ihre gewonnene Freiheit im Arbeitsalltag geniessen, doch Entwicklung und Wachstum sind für Epu Shaha wichtig. Das nächste Ziel für Epu Design steht fest: «Wir möchten in die Zukunft investieren. So bieten wir neben den jetzigen Praktikumsplätzen im Sommer 2022 erstmals eine Lehrstelle als Polygraf oder Polygrafin EFZ an.»

Praktikantin beim Arbeiten
Im Jahr 2021 stellt Epu Shaha bereits ihre zweite Praktikantin ein. Sie lehrt ihr den Umgang mit Social Media, Design Programmen und Kameraequipment. Nach dem einjährigen Praktikum gibt es jeweils die Chance auf eine Festanstellung.

Epu Shaha ist glücklich mit ihrer Entscheidung zur Selbstständigkeit und findet, dass dieser Weg für alle mit viel Willen und Disziplin sowie etwas Talent machbar ist. Ob Epu Design für immer so bestehen wird oder welche Pläne Epu Shaha in ihrer Karriere noch anstreben will, ist jedoch noch unklar.

Absolventin / Absolvent

Mara Kurz

Mara Kurz ist Studentin an der SAE Zürich im Studiengang Cross Media. Nach der Grundausbildung zur Polygrafin und diversen beruflichen Weiterentwicklungen im Bereich Social Media und Content Creation entschied sie sich den BA in Cross Media im September 2021 zu starten.