Silent Driver
Silent Driver: Der Aufstieg des Elektroautos. Mit Begriffen wie Umweltfreundlichkeit und Zukunft werden sie assoziiert. Geräuschlose, schnelle Fahrzeuge, die emissionsfrei
sind. Auch mit all den positiven Aspekten und der neuen Massnahme in der EU, ab 2035 nur noch emissionsfreie Personenkraftwagen verkaufen zu können, muss man
das grosse ganze betrachten. Wie steht es dabei um die gesamte Umweltbilanz eines Elektroautos?
Den Anfang machte die Elektromobilität schon etwas länger. Forscher Michael Faraday erkannte 1821, dass Elektromagnetismus eine konstante Rotation erzeugen kann. Daraus entstanden die ersten Grundlagen für das elektrische Fahren, und die Entwicklung von Elektroantrieben hatte begonnen. Emissionsfrei und Zukunft sind zwei Wörter, mit denen Elektroautos heute assoziiert werden. Diese Assoziationen bestätigen sich auch durch die neue Massnahme, die besagt, dass in der EU ab dem Jahr 2035 nur noch emissionsfreie Personenkraftwagen verkauft werden dürfen.

Klimaneutrales Europa
Hinter dieser Massnahme steckt etwas Grösseres: Europa bis im Jahr 2050 klimaneutral zu gestalten. Um das Ziel einhalten zu können, werden verschiedene Massnahmen ergriffen, wobei das Verbrenner-Verbot eine davon ist. Von dieser Massnahme wird die Schweiz nicht direkt betroffen sein, da sie nicht rechtlich in Kraft treten wird. Dennoch glaubt man, Auswirkungen in der Schweiz sehen zu werden. Nicht nur glaubt man, dass die Produktion von Verbrenner-Autos für einen kleinen Markt wie die Schweiz nicht lohnend sein wird, sondern auch möchten Autohersteller die Produktion von Verbrenner-Autos mit der Zeit einstellen.
Das Wachstum
In diesem Jahr wurden rund 4’760’848 Personenfahrzeuge immatrikuliert, davon sind 155’495 reine Elektroautos, was 3,3% entspricht. Im Jahr 2010 waren es insgesamt 4’075’825 Personenfahrzeuge, davon 665 reine Elektroautos, was 0,016% entspricht.
Die Statistik zeigt, dass das Elektroauto in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen hat. Immer mehr Menschen entscheiden sich für die Elektromobilität. Damit das Wachstum weiterhin steigen kann und der Hype aufrechterhalten bleibt, muss man in die angemessene Infrastruktur investieren. In der Schweiz gibt es bereits rund 9100 öffentliche Ladestationen, was im Vergleich zu Europa bereits hoch ist.

Die Kosten
Auch das Finanzielle spielt eine Rolle bei Elektroautos. Wenn man sich die Anschaffungspreise ansieht, sieht man, dass Elektroautos teuer sind. Diese hohen Kosten kommen von der wiederaufladbaren Batterie, die in den Autos verbaut ist. Diese können hohe Kosten mit sich tragen bei Beschädigung. Auch die höhere Abnutzung der Reifen von Elektroautos kann zu höheren Kosten beitragen. Nichtsdestotrotz muss man die Unterhaltskosten mitberechnen, denn dabei kann man bei Elektroautos mehr sparen als bei Verbrenner-Autos. Strom ist günstiger als Treibstoff, dadurch sind die Verbrauchskosten geringer und der Preis pro Kilometer niedriger. Auch die Wartungskosten sind niedriger, da ein Elektroauto weniger Bauteile hat, die eventuell ausgetauscht werden müssen.
Schnell, leise, Sicher?
Ein Elektroauto unterscheidet sich nicht nur umwelttechnisch von einem Verbrenner-Auto, auch der Aufbau und das Fahrgefühl sind unterschiedlich. Wenn man in einem Elektroauto sitzt, merkt man beim Anfahren, wie schnell das Auto beschleunigt im Gegensatz zu einem Verbrenner. Das liegt daran, dass Elektromotoren einfacher gebaut sind. In einem Elektromotor sind weniger Einzelteile verbaut, aus diesem Grund reagiert der Motor schneller auf das Gaspedal und verfügt somit über das volle Drehmoment praktisch aus dem Stand. Bei traditionellen Verbrennungsmotoren dauert die Weiterleitung der Kraft in die Räder länger, da sie durch mehr bewegliche Teile laufen muss.
Ebenfalls wird einem auffallen, dass Elektroautos sich nahezu geräuschlos fortbewegen. Einerseits führt dies zu einer Verminderung des Verkehrslärms, andererseits entstehen dadurch Sicherheitsprobleme. Um die Sicherheit im Strassenverkehr zu erhöhen, müssen ab dem 01. Juli 2019 Elektrofahrzeuge in der Schweiz mit einem „Acoustic Vehicle Alerting System“ (AVAS) ausgestattet sein. Das akustische Warnsystem gibt bis zum Erreichen von 20 km/h sowie beim Rückwärtsfahren des Autos ein künstliches Geräusch wieder. Das Ziel ist, Fussgänger, seien es Kinder, ältere Menschen oder sogar blinde oder sehbehinderte Personen, sowie Fahrradfahrer zu schützen. Diese könnten ansonsten langsam fahrende Elektrofahrzeuge leicht überhören.
Die Umweltbilanz
Wenn das Wort Elektroauto im Raum steht, assoziieren viele Menschen dieses mit Umweltfreundlichkeit. Um diese Wörter in diesem Bezug zu bekräftigen, wird die Umweltbilanz eines Elektroautos eingeschätzt. Hierbei ist es wichtig, den ganzen Lebenszyklus zu betrachten, wobei verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Erstens, die Abgase, die ein Auto in die Luft abgibt. In dieser Ansicht sind Elektroautos emissionsfrei, was so viel heisst wie, dass sie keinen direkten CO2-Ausstoss haben.
Zweitens, der Kraftstoff, den ein Elektroauto benötigt. Bei Elektrofahrzeugen ist es Strom. In der Schweiz stammt dieser zu 79% aus erneuerbaren Energien. Um diesen Strom für Elektroautos speichern und verwenden zu können, benötigt man eine Batterie. Die Herstellung und später auch Entsorgung gehören ebenfalls in den Lebenszyklus und werden ebenfalls in Betracht gezogen.
Die Batterie
In den heutigen Elektroautos werden Lithium-Ionen-Batterien verbaut, diese haben gegenüber anderen höhere Energie- und Leistungsdichten.
Rohstoffe
Bei den verbauten Batterien in Elektroautos werden verschiedene Rohstoffe verwendet. Lithium, Kobalt und Nickel sind drei davon. Das Abbauen dieser Rohstoffe zieht verschiedene Probleme mit sich. Bei Kobalt stösst man auf die Gefahr, dass Gewässer vergiftet werden könnten. Die abgebauten Erze können Schwefelsäure bilden, wenn sie in Verbindung mit Wasser und Sauerstoff stehen. Bei der Lithiumgewinnung in Salzseen werden grosse Mengen an Wasser benötigt, und dadurch sinkt der Grundwasserspiegel, und die Ressource wird knapp. Zur Folge können Pflanzen absterben und bedrohte Tiere ihren Lebensraum verlieren.
Zudem vermutet man, dass mit der Zeit das Trinkwasser von dem Abbau betroffen werden wird und dieses zu salzig wird, um es trinken zu können. Aber nicht nur umwelttechnisch finden sich Probleme, auch Sozialprobleme stehen auf dem Spiel. Dabei spielen Kinderarbeit im Kongo und die Verletzung von Menschenrechten eine Rolle.
Recycling
Zu dem Lebenszyklus einer Batterie gehört auch das Ende ihrer Laufzeit und das Recycling davon. Wenn Batterien nicht mehr leistungsfähig genug sind für Elektroautos, haben diese trotzdem noch die Kapazität für weniger anspruchsvolle Bereiche eingesetzt zu werden. Somit kann die Batterie noch einige weitere Jahre gebraucht werden. Das wird auch als Second Life bezeichnet. Nach dem totalen Ende der Batterie kann diese auf verschiedene Arten recycelt werden. Zum einen durch thermisches Aufschmelzen. Dabei wird die Batterie geschmolzen und durch verschiedene Schmelzpunkte lassen sich zum Grossteil die Rohstoffe trennen. Zum anderen durch mechanisches Schreddern. Dabei wird die Batterie zerlegt und die verschiedenen Rohstoffe sortiert. Bei dieser Methode kann bis zu 96% der Rohstoffe zurückgewonnen und weiterverwenden werden. Trotz allem werden diese Methoden zurzeit sehr selten umgesetzt, da der Neukauf von Rohstoffen günstiger ist als das Recyceln.
Die Zukunft
Elektroautos werden in der Zukunft immer mehr an Popularität gewinnen und sich immer weiterentwickeln. Die Infrastruktur wird sich in den nächsten Jahren immer mehr erweitern. Es werden immer mehr Massnahmen getroffen, um umweltfreundlicher zu werden, und davon sind Elektroautos nicht ausgeschlossen. Seien es neue Gesetze wie das Verbannen von Verbrenner-Autos in Innenstädten oder die Suche nach weiteren umweltfreundlichen Kraftstoffen für Autos. Wir sind nun in einer Zeit, in der Elektroautos die Strassen einnehmen und sich die Menschen umstellen müssen. Es werden andere Gefahren und Probleme aufkommen, für die man neue Lösungen suchen muss.


