Fabian Vogt

To BEE or not to BEE

Bienen
Fachbereich:
Content Creation & Marketing
Semester (Modul):
1. Modul

Honigbienen und Wildbienen bestäuben rund 80 Prozent aller Gemüse- und Obstsorten. Ohne Bienen gäbe es bei uns also kein Obst und Gemüse. Eine Biene fliegt bis zu 10 Kilometer weit, um leckeres Futter zu bekommen. Das Futter ist für sie der Nektar einer Pflanze. Ganz nebenbei nimmt eine Biene die Polle von einer Pflanze zur nächsten Pflanze mit. So bestäubt sie die Pflanze und eine Frucht kann entstehen. Jede Biene bestäubt bis zu 2.000 Pflanzen am Tag.

Hallo, meine lieben Menschen. Ich bin die Bienenkönigin, könnt mich auch Weisel oder Stockmutter nennen, das Herzstück, der Stolz eines Bienenvolkes. Heute möchte ich euch mein Volk näherbringen, den Aufbau meines Staates erklären und zeigen, was uns miteinander verbindet. Also, los geht’s mit meiner Wenigkeit, der Königin.

Die Bienenkönigin

Meine Hauptbeschäftigung beansprucht den ganzen Tag, ich lege nämlich, je nach innerem Rhythmus und äusseren Bedingungen, 100-1500 Eier pro Tag. Da kommen locker 200‘000 Eier pro Sommer zusammen!

Aber starten wir gute zwei Wochen vor meiner Geburt: Als Ei und Larve genoss ich einen besonderen Futtersaft, den Gelée Royale. Gefüttert wurde ich damit von den Ammenbienen, und so kam ich dann exakt nach 16 Tagen zur Welt, genau genommen schlüpfte ich aus einer Weiselzelle. Eine Weiselzelle ist viel länger als eine normale Zelle, da ich bekanntlich auch um einiges länger als eine Biene bin. Von jenem Moment an war ich die Chefin im Stock!

Auf meinem Rücken klebt eine Nummer, damit ich erkannt werde, wobei meine stattliche Grösse ganz unverkennbar zeigt, dass ich die wichtigste Person hier bin. Ohne mich sind hier alle verloren, sie würden regelrecht die Orientierung verlieren. Um mein Volk zu führen und an der Leine zu halten, verströme ich einen anziehenden und angenehm betörenden Duft, genannt Pheromon.

Etwas, das ich nicht oft erlebe, da ich nur vier bis fünf Jahre leben werde, mir aber am meisten Spass macht, ist, wenn ich mal aus dem dunklen Bienenstock raus kann. Den Stock verliess ich nur während einigen langweiligen Orientierungsflügen nach meiner Geburt und an der Hochzeit, wo ich von mehreren Drohnen begattet wurde. Ansonsten bin ich immer im Stock, lege Eier und werde von hinten bis vorne bedient, buchstäblich, mein Hofstaat versorgt mich mit Nahrung und achtet auf meine Sauberkeit. Selber tu ich nur Eier legen, und das grosszügig. Vielleicht werde ich ein letztes Mal meinen Stock verlassen, sobald mein Volk zu gross geworden sein wird. Dann werde ich mit einigen Tausend Bienen schwärmen und mir ein neues Zuhause suchen.

Es könnte auch sein, dass mein Imker oder meine Imkerin unzufrieden mit meiner Leistung wird. Dann könnte ich ausgewechselt werden und dem Volk würde eine neue Königin zugesetzt werden. In einem Kistchen käme meine Rivalin unters Volk und meine Bienen würden sich durch den Futterteig zu ihr vorfressen. In der Zeit des sich Durchfressens würden sie sich aneinander gewöhnen und mich vergessen!

Königin_Zusatz

Da werde ich mein Bestes geben, um mich vor so einem Schicksal zu bewahren!

Die Berufe der Arbeiterbiene

Nun also zu meinen Lieblingen, die all dies ermöglichen. Ohne ihren Einsatz wären ich und du nie imstande so zu leben, wie es sich heute leben lässt. Was sie tun, sind keine Aufgaben, sondern Berufe, denen sie ohne zu jammern nachgehen. Sie arbeiten als Raumpflegerin, als Brutpflegerin, Babysitterin, Hofdame, Heizerin, Nektarabnehmerin, Honigherstellerin, Wachsherstellerin, Baumeisterin, Wächterin, Pfadfinderin und Sammlerin.

Puuh, sind das viele Arbeitsbereiche! Ich allein kann das nicht koordinieren, dies tun sie ganz alleine, ohne irgendwelche Hilfe. Auch sie kommunizieren mit Hilfe der Pheromone, man bedenke, im Stock ist es stockfinster. „Woher wissen sie, was sie zu tun haben?“, fragt ihr euch. Ganz simpel und logisch. Alles zu seiner Zeit!

Arbeiterbiene

Der Lebenszyklus der Biene

Gleich nach dem Schlüpfen gehört die Biene für die ersten zwei Tage zu den Putzbienen: Sie säubert ihre Schlüpfzelle – die Wiege -, damit ich ein neues Ei hineinlegen kann. Bis zum fünften Tag füttert sie die älteren Maden und wärmt die Brut. Anschliessend versorgt sie die jüngeren Maden mit Futter. Die Ammenbiene ernährt den Nachwuchs mit Hilfe von Futtersaftdrüsen. Ihr könnt euch vorstellen, wie viel Arbeit es bedeutet, diese nimmersatten Mäuler zu stopfen!

Larven

Nach sechs langen Tagen und Nächten kommt ihr die Arbeit an den Waben grad gelegen: Buchstäblich ausgeschwitzt werden die fast durchsichtigen Wachsplättchen. Die Biene schiebt sich mit dem Hinterbein das Wachsplättchen in den Mund, kaut es zünftig und vermischt es dadurch mit Drüsensekret. Diese Masse drückt sie nun an das bereits vorhandene Wachs und achtet darauf, jede zunächst runde Zelle sechseckig und präzise zu formen. Nebenbei erkennt sie auch beschädigte Waben und renoviert diese. Ah ja, nicht zu vergessen ist das Verdeckeln der Brut und des Honigs. Das muss ja auch noch jemand tun!

Obwohl es beim Wabenbau ruhiger zu- und hergeht, darf hier keinesfalls geschlafen werden! Je mehr Waben wir im Bau besitzen, desto mehr Eier kann ich legen und desto mehr Futter können wir eintragen. Ohne gefülltes Futterlager würden wir den Winter nicht überleben.

Puuh, schlafen die auch? Ja, es gibt jene, die wenig Schlaf brauchen und die Schlafmützen, die sage und schreibe 30 Minuten durchpennen. Genau wie die Menschen regenerieren wir uns im Schlaf, sparen Energie und trennen uns gleichzeitig von unnötigen Informationen. Selbstverständlich arbeitet die Biene in Teams zusammen: Teamwork ist meinen Untertanen so quasi in die Wiege gelegt worden. Wobei ich betonen muss, dass ich hier nur von den Mitbewohnerinnen spreche: Die männlichen Bienen rühren keinen Finger! Die lassen sich von hinten bis vorne bedienen. Aber lassen wir das. Das steht auf einem anderen Blatt.

Honig.01

Wann die Biene endlich mal fliegt?
Bald nähert sie sich den ersten Flugstunden! Bis jetzt ist sie nur im Stock rumgekrabbelt und hat noch nie das Tageslicht gesehen. Aufgefallen sind ihr höchstens die tänzelnden Bienen. Das sind die Kundschafterinnen und Sammlerinnen, die von ihren Flügen zurückgekommen sind. Anmutig präsentieren sie ihre Schwänzel- und Rundtänze, um allen zu signalisieren, wo sich gerade eine Futterquelle befindet. Zurück zu den Flugstunden. Was für eine Aufregung! Neben dem Verarbeiten von Nektar zu Honig und dem Einstampfen von Pollen schlägt die Biene immer wieder ihre Flügel. Am sechzehnten Tag fliegt sich die Biene ein, um startklar für ihre letzten Lebenstage zu sein.

Vom 17. bis zum 21. Lebenstag bewacht sie dann unseren Eingang. Das ist notwendig, vor allem Ende Sommer, wenn die Blumen verblüht sind und somit unsere Nahrungsquellen erschöpfen. Die Wächterin beschützt uns vor Eindringlingen und Räuberei. Es ist eine verantwortungsvolle Arbeit, die sich nicht allein ausführen lässt. Hier geht es um Leben und Tod. Anhand des Geruches erkennen die Wächterinnen, wer reingelassen werden darf und wer nicht. Mit Honig oder Pollen vollbeladene Bienen haben es leichter, sich Zutritt zu verschaffen. Wer leer daherkommt, bedeutet Gefahr und wird abgemurkst.

Erst ab dem 21. Lebenstag wird die Biene zu einer Flugbiene. Hier haben wir die Kundschafterin neben der Sammlerin. Die Kundschafterin sucht neue Bienenweiden – so nennen wir unsere Nahrungsquellen – und informiert dann im Stock ihre Mitarbeiterinnen . Anhand der Rund- und Schwänzel-Tänze erklärt sie, wo sie hinfliegen sollen. Sie tanzt im Dunkeln, wohlbemerkt, und ihre Artgenossinnen erspüren die Entfernung und die Richtung. Die Sammlerin fliegt täglich mehrmals aus, um Pollen, Nektar, Honigtau, Baumharz oder Wasser zu sammeln. Während des Sammelns des Pollens bestäubt die Biene grad die Blüten, ein unentgeltlicher, aber wichtiger Nebeneffekt also. Tja, so ein Flug braucht Energie! Kein Wunder lebt die Sammlerin nur wenige Tage.

Die drohne

Und jetzt kommen wir noch zu den Faulsten in meinem Staat: zu den Drohnen. Dies sind die männlichen Bienen. Sie entwickeln sich im Frühling aus unbefruchteten Eiern. Die Arbeiterinnen füttern sie solange, bis sie geschlechtsreif sind. So nach zehn bis 14 Tagen ist es soweit und sie fliegen aus, um Jungköniginnen im Flug zu begatten. Danach sterben sie.

Die Drohnen besitzen keinen Stachel, können euch Menschen also kein Haar krümmen. Sie sind grösser als die Arbeiterinnen. Im Stock helfen die Drohnen mit, die Brut warm zu halten. Nach der Sommersonnenwende brauchen wir sie nicht mehr. Wozu auch? Um mit ihnen unser Futter zu teilen? Kommt gar nicht in Frage! In der Drohnenschlacht geht es ihnen an den Kragen. Ein faszinierendes Schauspiel, bei dem immer die Frau gewinnt.

Drohne

Fazit

Ja, was wäre, wenn es allen Bienen an den Kragen ginge? So einfach ausgelöscht wie die Flammen eines Waldbrandes? Nicht mit Wasser, sondern, indem uns die Lebensgrundlage zunichte gemacht wird und unsere Nahrungsquellen versiegen? Wer würde die Blüten bestäuben? Auf den Honig könntet ihr verzichten, aber auf die Bestäubung?

Herzlichst
die Bienenkönigin
ungekröntes Haupt von 30‘000 Bienen und Drohnen

Absolventin / Absolvent

Fabian Vogt

Fabian Vogt kommt aus der Schweiz, ist 21 Jahre alt, studiert an der SAE doch davor arbeitete er als Gemüsegärtner. Im verlauf der nächsten Zeit möchte er sich als Content creator beweisen, da er schon in seinen Jungen Jahren davon geträumt hat.